| Anatol. Anatols Grössenwahn. Der grüne Kakadu
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Der Übermensch?
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Rezension bezieht sich auf: Anatol: Dramen 1888-1891 (Taschenbuch) In Schnitzlers „Anatol" geht es vornehmlich um die Beziehung zwischen Mann und Frau. Anatol lebt völlig beziehungslos zu seiner Umwelt. Die Frauen dienen ihm nur zur schnellen Befriedigung vor allem sexueller Triebe. Doch die Gesellschaft verlangt von ihm eine feste Partnerschaft - eine Familie. Deshalb versucht Anatol immer die Illusion einer Bindung aufzubauen, muß sich dann aber selbst eingestehen, daß er eine feste Beziehung ohnehin nicht eingehen will und schon gar nicht kann. Max tritt - vor allem im letzten Akt - als moralische Instanz, als sein bürgerliches Gewissen, das noch an „Werte" glaubt auf.
Auch der Einfluß Schopenhauers auf dieses Werk ist augenscheinlich. Nach Schopenhauers Ansicht, ist der Wille die Wurzel alles Unglücks. Nur diejenigen, die den Willen als solche erkennen und ihn ausschalten können „Glück" finden. Hier sind auch die Parallelen zum Buddhismus. Anatol ist von seinem Willen Glück bei einer Frau zu finden beherrscht.
Eine weitere Eigenheit in der Beschreibung des Anatols ist, daß er sich nur über Frauen definiert. Er ist keine eigenständige Persönlichkeit, er hat keinen Beruf oder ähnliches. Er ist immer nur der „Frauenheld" und somit abhängig von Frauen. Würde er plötzlich heiraten und eine Familie gründen, wer wäre er dann noch? Ein Niemand. Dies ist ein wichtiges Merkmal der Jahrhundertwende: Der Verfall der Gesellschaft - in diesem Fall der Verfall (eigentlich das gar nicht „Zustandekommen") des Anatols.
Auch die Philosophie Nietzsches hatte großen Einfluß auf dieses Werk. Anatol versteht sich als Übermensch, der sich über alle hinweg setzt. Hier kann man die Lächerlichkeit eines Übermenschen aufzeigen: Was ist ein Übermensch ohne die, die er unterdrücken kann? Ein Niemand. Anatol lebt also beziehungslos in einer Umwelt ohne die er nichts wäre. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 12. August 1999 |
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